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Wie KI Lernvideos leichter zugänglich macht und neue Maßstäbe für Open Educational Resources (OER) setzt

Sie sind sich sicher, es schon einmal in einem Schulungsvideo gesehen zu haben. Aber wo genau? Die Zeit fehlt, um das gesamte Video erneut zu durchsuchen – geschweige denn eine ganze Videoreihe. Wie hilfreich wäre es, Videos einfach so durchsuchen zu können wie eine Google-Anfrage?

Genau das löst der neue KI-Video-Chatbot von ORCA NRW und WestAI. In enger Kooperation wurde ein Tool entwickelt, das Studierenden und Lehrenden den Zugang zu etwa 2.400 Videos erleichtert und dabei schneller, intuitiver und treffsicherer ist als zuvor. Die Zusammenarbeit zeigt, wie Künstliche Intelligenz auch die Hochschullehre praxisnah verbessern kann.

Bisher konnten Nutzer*innen in der Mediathek von Orca NRW – dem Landesportal für Studium und Lehre – digitale Lerninhalte nur über grobe Metadaten wie Sprache oder Fachbereich finden. Das führte oft zu irrelevanten Treffern und hohem zeitlichen Aufwand. Der Einsatz großer Sprachmodelle (engl. Large Language Models, LLMs) ändert das grundlegend.

Von der Forschungskooperation zur konkreten Lösung

Zusammen mit ORCA NRW prüfte WestAI: Können KI-Systeme Videoinhalte besser durchsuchbar machen? Und passende Lernvideos individuell vorschlagen? Die Antwort ist ein Video-Chatbot: Er analysiert Untertiteldateien aus rund 2.400 Videos und speichert sie in einer Vektordatenbank – einer Art intelligenter Suchmaschine, die Inhalte anhand ihrer Bedeutung erkennt.

„Die Erstellung des Tools hat zweierlei gezeigt: LLMs können im Umfeld von Hochschule und OER sinnvoll eingesetzt werden und die Materialerschließung erleichtern. Darüber hinaus zeigt die operative Durchführung des Projekts, dass innerhalb eines kleinen Rahmens mit entsprechendem Knowhow und Engagement aller Beteiligten tragfähige Ergebnisse erzielt werden können“, erklärt Dr. Markus Deimann, Geschäftsführer von ORCA NRW.

So funktioniert der Chatbot einfach und intuitiv

Der Chatbot läuft direkt im Lernportal von ORCA NRW. Nutzer*innen tippen eine Frage in natürlicher Sprache ein, etwa: „Wie funktionieren neuronale Netze?“ Innerhalb von Sekunden antwortet das System: Eine kurze Zusammenfassung, gefolgt von fünf passenden Videos. Per Klick erreicht man das Video mit exakten Zeitstempeln zum relevanten Abschnitt. Was zuvor stundenlange Sichtung oder die Lektüre von Transkripten erfordern konnte, geschieht nun in wenigen Augenblicken.

Technisch basiert es auf bewährten Open-Source-Komponenten: Das Embedding-Modell Snowflake Arctic wandelt Text in mathematische „Fingerabdrücke“ um, um Ähnlichkeiten zu finden; das Sprachmodell llama-3.3-70b-instruct generiert Antworten. Alles läuft in einer Docker-Umgebung – einer standardisierten Software-Hülle für einfache Installation. Der Code ist frei verfügbar auf GitHub unter MIT-Lizenz.

Mehrwert durch KI: Effizient, offen und datenschutzkonform

Das Tool spart Zeit: Kein mühsames Anschauen mehr, sondern präzise Treffer dank der Analyse von Untertiteln. Es entlastet Nutzende, steigert die Qualität der Lernangebote und durch den Einsatz DSGVO‑konformer Infrastruktur – bereitgestellt durch die GWDG – bleibt der Datenschutz gewährleistet. Zudem ist die Lösung nachhaltig, da sie auf offenen Standards basiert und beliebig erweiterbar bleibt.

„Der ORCA.nrw-Chatbot zeigt sehr gut, wie multimodale KI – also Systeme, die Text, Audio- und Video-Inhalte nahtlos verknüpfen – Bildungsmaterialien neu zugänglich macht. Bei WestAI haben wir genau diese Technologien erforscht, damit sie in Wirtschaft und Lehre zum Einsatz kommen“, sagt Max Rudat, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS.

Die enge Verzahnung von WestAI-Forschenden mit dem ORCA-Team überführte neueste Forschung zum Thema Sprachtechnologien und LLMs in eine produktive Anwendung – ein gutes Beispiel für gelungenen Forschungstransfer.

Perspektiven und Weiterentwicklung

Die Resonanz auf den Video-Chatbot ist so positiv, dass bereits weitere Einsatzmöglichkeiten geprüft werden. So wird das Tool in das TIB-AV-Portal integriert, einer Videoplattform für wissenschaftliche Inhalte. Darüber hinaus sind Umsetzungen für Unternehmensschulungen, Weiterbildungseinrichtungen und E-Learning-Plattformen denkbar. Überall dort, wo Videos eine zentrale Rolle spielen, kann das Konzept der vektorbasierten Suche mit Sprachmodellen Mehrwert schaffen – von der Hochschullehre bis hin zu medizinischen Schulungsvideos.

Interessierte Einrichtungen können den Chatbot mit wenigen Schritten selbst adaptieren: Code herunterladen, Docker‑Umgebung einrichten, eigene Untertiteldateien bereitstellen und sofort starten.

Zum Chatbot für Videos auf ORCA.NRW

Mehr über das gemeinsame Projekt auf ORCA.NRW

Zum Repository auf Github

Am Anfang stand eine Frage – Wie sieht Ihre aus?

Zur Erinnerung: Zu Beginn dieser Kooperation stand eine einfache Idee, eine Frage: „Kann KI in meinem Fall helfen?“ Heute ist daraus ein erfolgreiches Tool geworden. Haben Sie eine ähnliche Frage für Ihr Unternehmen? Eine innovative Idee, die noch ihre Form sucht? Die WestAI-Expert*innen unterstützen Sie gerne und freuen sich auf Ihre Anfrage.