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WestAI und Deloitte entwickeln KI-Lösung für die Analyse komplexer EU-Regeln
Ob DSGVO, CRR III, AI Act oder DORA: Der Umgang mit EU-Verordnungen fordert Unternehmen heraus. Eine Forschungskooperation zwischen dem WestAI-Partner Fraunhofer FIT und der Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zeigt, wie Künstliche Intelligenz (KI) helfen kann. Gemeinsam entwickelten sie einen Chatbot, der Compliance-Fragen schnell, nachvollziehbar und mit Quellenangaben beantwortet. Das Ergebnis, das „Automated Gap Analysis Regulatory Compliance Tool“, ist bereits im Einsatz und lässt sich auf andere Anwendungsfälle und Branchen übertragen.
Eine Compliance-Frage, viele Dokumente, wenig Zeit: So sieht der Alltag in regulierten Unternehmen oft aus. Genau hier setzt die Forschungskooperation zwischen Deloitte und WestAI an und zeigt, wie sich diese Arbeit mit einem Chatbot spürbar vereinfachen lässt, ohne an Nachvollziehbarkeit zu verlieren.
Im Zentrum steht ein Problem, das aktuell viele Unternehmen und Organisationen haben: Mitarbeitende müssen aufwändig in umfangreichen EU-Verordnungen wie der DSGVO und der CRR nach relevanten Informationen suchen. Die Recherche zieht sich über hunderte Seiten, Querverweise sind schwer zu erkennen, und die Interpretation komplexer Anforderungen ist fehleranfällig. Oft fehlt ein Gesamtüberblick über mehrere Quellen hinweg und Antworten bleiben fragmentiert.
Aus wissenschaftlicher Sicht war das Vorhaben anspruchsvoll. Das Projekt musste komplexe hierarchische Beziehungen zwischen Verordnungen, Artikeln und Paragraphen präzise abbilden. Hinzu kamen Querverweise, Abhängigkeiten, die Forderung nach nachvollziehbaren und zitierfähigen Antworten sowie der Anspruch, Regulierungen trotz laufender Änderungen aktuell zu halten. Als Herausforderung kam hinzu, einen Mittelweg zwischen fachlicher Präzision und allgemeiner Verständlichkeit zu finden.
„Durch die Einbettung komplexer EU-Vorschriften in eine erklärbare, graphbasierte KI haben wir den Zeitaufwand für Recherchen und Lückenanalysen reduziert und gleichzeitig die Genauigkeit und Überprüfbarkeit erhöht. Diese Partnerschaft zeigt, wie integrierte, forschungsorientierte Innovationen und Branchenbemühungen fortschrittliche KI in skalierbare, vertrauenswürdige Tools für die Compliance verwandeln können“, erklärt
Dr. Diego Collarana, Leiter der Knowledge-Enhanced LLMs und Data Analytics bei Fraunhofer FIT und Mitarbeiter bei WestAI.
Die Lösung: Ein Chatbot mit GraphRAG

Dr. Diego Collarana, Head of Knowledge-Enhanced LLMs and Data Analytics, Fraunhofer FIT ©Fraunhofer FIT

Christopher Pack, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fraunhofer FIT ©Fraunhofer FIT
Aus der Zusammenarbeit entstand ein KI-gestützter Chatbot, der Fragen in natürlicher Sprache beantwortet. Sein Herzstück ist eine Wissensdatenbank, die EU-Regulierungen samt ihrer Beziehungen untereinander abbildet. Seine Besonderheit: Er nutzt GraphRAG („Graph-based Retrieval-Augmented Generation“), eine Weiterentwicklung klassischer KI-Suchverfahren: Statt nur nach ähnlichen Textstellen zu suchen, baut die KI einen strukturierten Wissensgraphen auf – ein Netz aus miteinander verbundenen Begriffen, Artikeln und Paragraphen. So versteht die KI nicht nur Einzeltexte, sondern erkennt auch, wie verschiedene Regelungen zusammenhängen.
Die Lösung liefert jetzt automatisch Quellenangaben mit direkten Verweisen auf relevante Artikel. Sie berücksichtigt den Kontext über mehrere Regelwerke hinweg und unterstützt damit vor allem juristische Mitarbeitende bei der Analyse und Einordnung von Vorschriften. Eine interaktive Visualisierung macht die Vernetzung der Informationen sichtbar.
Schnellere Antworten, höhere Sicherheit
Der Nutzen für das Unternehmen ist konkret: Mitarbeitende erhalten nun eigenständig schnelle Antworten auf Compliance-Fragen. Was zuvor Stunden dauerte, lässt sich in wenigen Minuten erledigen. Gleichzeitig steigt die Sicherheit, weil das System konsistente und nachvollziehbare Informationen bereitstellt. Die KI-Lösung weist im Vergleich zu anderen KI-Systemen eine geringere Fehlerquote bei der Interpretation komplexer rechtlicher Anforderungen auf und gewährleistet eine vollständigere Berücksichtigung relevanter Regelungen.
Auch die Rechts- und Compliance-Abteilung profitiert. Standardanfragen landen nicht mehr bei Fachexpertinnen und -experten, sondern werden vom System beantwortet. So bleibt mehr Zeit für komplexe Fälle, die juristische Tiefe brauchen.
Zusammenarbeit mit direktem Praxisbezug
Besonders geschätzt wurde an der Kooperation die Verbindung von Praxisnähe und wissenschaftlicher Exzellenz. Auf Unternehmensseite hob Deloitte das Know-how in modernen KI-Verfahren wie GraphRAG, den forschungsgetriebenen Ansatz und die kurze Abstimmung im Projekt hervor. Rückmeldungen aus der Praxis konnten direkt in die Weiterentwicklung einfließen. Deloitte schätzte insbesondere die tiefe Expertise in neuen KI-Technologien, die direkte Zusammenarbeit im Projekt und die iterative Entwicklung mit kontinuierlichem Feedback.
Auf Seiten des WestAI-Partners Fraunhofer FIT schätzte man die Praxisnähe von Deloitte, durch die Anforderungen schnell erhoben und die Lösung direkt mit Anwendern erprobt werden konnte. Auch die Flexibilität und die technische Expertise des Partners trugen dazu bei, dass aus dem Prototyp zügig eine einsatzfähige Applikation wurde.
Die Zusammenarbeit zwischen Deloitte und WestAI hat die Lücke zwischen akademischer Forschung und praktischer Geschäftsanwendung überbrückt – mit großem Erfolg! Die wissenschaftliche Strenge von Fraunhofer FIT, kombiniert mit Deloittes Expertise für skalierbare und übertragbare Technologielösungen, ermöglichte es dem gemeinsamen Team, eine zentrale Einschränkung der Retrieval Augmented Generation zu überwinden. Gemeinsam haben wir die Genauigkeit und Präzision dieser Systeme signifikant verbessert und so ihren Nutzen für Geschäftsanwender erhöht“, sagt David Thogmartin, Partner und Leiter der AI & Data Analytics-Praxis bei Deloitte in Deutschland.
Breite Anwendbarkeit für verschiedene Richtlinien
Die Architektur ist nicht auf EU-Regulierung beschränkt. Sie kann auch in anderen stark regulierten Bereichen helfen, etwa in Finanzdienstleistungen mit Basel III oder MiFID, im Gesundheitswesen mit Medizinprodukte-Verordnungen und FDA-Richtlinien, in der Pharmaindustrie mit GMP-Richtlinien oder in der Automobilindustrie mit Sicherheits- und Umweltvorschriften. Ebenso interessant ist das Potenzial für Behörden zur Modernisierung des Zugangs zu Bundesgesetzen.
Weitere Einsatzfelder sind interne Richtlinien, Normen wie ISO oder DIN, Arbeitsrecht, Vertragsmanagement, Qualitätsmanagement, Export-Kontrolle, Zollvorschriften sowie Steuerrecht und Tax Compliance. Überall dort, wo komplexe Regelwerke schnell und zuverlässig erschlossen werden müssen, kann die Lösung Mehrwert schaffen.

David Thogmartin, Partner und Leiter der AI & Data Analytics-Praxis bei Deloitte in Deutschland. © Deloitte
Interessiert? Übertragen Sie die Lösung auf Ihren Anwendungsfall
Wenn Sie Interesse an einer Übertragung der Lösung auf Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation haben, unterstützt das Team von WestAI auch hierbei – sprechen Sie uns einfach an.
Voraussetzungen sind der Zugang zu den relevanten Regulierungstexten, eine Basis-IT-Infrastruktur (Cloud oder On-Premise) und die Einbindung von Fachexpertinnen und -experten zur Validierung. Spezielle KI-Kenntnisse im Unternehmen sind nicht nötig. Für die erste Implementierung sollten Unternehmen etwa drei bis sechs Monate einplanen. Zudem sollten Use Cases definiert, IT-Infrastruktur bereitgestellt, Mitarbeitende intern geschult und ein Feedback-Prozess etabliert werden.
Die WestAI-Expert*innen unterstützen Sie gerne und freuen sich auf Ihre Anfrage.